Daten und Fakten
11.11.1900 Gründung des "Jugendbundes für entschiedenes Christentum" (EC) in Alt-Wildungen
11.11.1906 Feier zum 25jährigen Bestehen des EC-Weltverbandes im Saal des "Hotels zur Königsquelle"
1919 Gründung des "Vereins für Evangelisation und Gemeinschaftspflege" für die Erwachsenenarbeit
~ 1938 Bezug der Räumlichkeiten in der Brunnenallee 18a
~ 1954 Namensänderung in "Landeskirchliche Gemeinschaft Bad Wildungen"
1980 Erwerb des Hauses in der Brunnenallee 18a
1992-1995 Umbau, Erweiterung und Renovierung des Gemeindehauses
1.1.1999 Namensänderung: "Evangelische Gemeinschaft Bad Wildungen"
1999-2000 Erweiterung und Renovierung des Gruppenräume
10.-12.11.2000 Jubiläumsfeiern zum 100jährigen Bestehen der Gemeinschaft
Aus einem Vortrag zum 100 Jubiläum am 11.11.2000:

Am 11.11.1900 gründete sich in Alt-Wildungen, im Hause der Familie Schleicher, der "Jugendbund für entschiedenes Christentum" (EC), in dem junge Leute zusammen kamen um gemeinsam in der Bibel zu lesen, darüber nachzudenken und Konsequenzen für ihr persönliches Leben daraus zu entdecken. (Näheres dazu unter "Geschichte des EC")

In einem Zeitungs-Artikel aus dem Jahre 1906, in dem zum 6. Jahresfest der Jugendarbeit eingeladen wurde, findet sich folgender Satz:

"Aber nicht nur die Jugend findet Anschluß in dieser Gemeinschaft, sondern jedes Alter und Geschlecht ist hier willkommen."

6 Jahre nach Gründung der Jugendarbeit konnte man sicherlich absehen, daß die Gründungsmitglieder nicht immer Jugendliche bleiben würden. Man konnte zwar immer daran arbeiten, daß neue Jugendliche den Weg in den Jugendkreis finden, aber selber Teil dieser Jugendarbeit zu sein, war zeitlich begrenzt.

Man mußte sich schon sehr bald mit der Frage beschäftigten, wie die begonnene Arbeit denn mit Erwachsenen fortgesetzt werden könnte. Leider gibt es keinerlei Unterlagen über diese Zeit, die darüber nähere Auskunft geben könnten. Festzuhalten ist lediglich, dass man für die Erwachsenenarbeit 1919 den "Verein für Evangelisation und Gemeinschaftspflege" ins Leben rief.

Mit dieser Einrichtung schloß man sich der Gemeinschaftsbewegung in Deutschland an, die ihre Entwicklung parallel zur Jugendbewegung "EC" erlebte.

In der Gemeinschaftsbewegung wurden Überlegungen umgesetzt oder Gedanken aufgenommen, die schon aus den Tagen Luther´s stammen:

Luther äußerte in seiner Schrift über die "Deutsche Messe" u.a. den Wunsch, daß die Möglichkeit des Predigtnachgesprächs unter Laien gegeben werden sollte. Zu seiner Zeit scheiterte dies nach eigenen Aussagen an der Unmündigkeit der Christen.

Philipp Jakob Spener griff diesen Gedanken 150 Jahre später wieder auf und bildete Gesprächskreise. Aber auch noch einiges mehr, was er in seinem Buch "Pia desideria", was so viel heißt wie "Fromme Wünsche", nannte.

Über mehr als 100 Jahre waren solche Gesprächskreise jedoch nur selten zu finden. Vereinzelt in der Reihen der damaligen Christentumsgesellschaft und bei den Herrnhuter Brüdergemeinden, die die "Losungen" ins Leben gerufen haben.

Um 1850 fand in ganz Deutschland, vor allem aber im Osten, auf geistlichem Gebiet ein Umbruch statt, eine Bewegung, die sich mehr und mehr danach sehnte, die Aussagen der Bibel besser und intensiver zu verstehen. In der Bibel zu graben und sich mit anderen über das Entdeckte auszutauschen. Es kam zu einer breiten Wieder- oder Neubelebung der von Luther und Spener angeregten Laienbewegung.

Zwei führende Personen in dieser Entwicklung waren Theodor Christlieb und Elias Schrenk. 1888 kam es zu einem ersten Treffen von Vertretern aller entstanden Kreise in Deutschland, 182 Teilnehmer nahmen daran teil, und man gründete die "Gemeinschaftsbewegung".

(siehe: Gnadauer Verband)

Man formulierte folgende Ziele für die Bewegung:

a) Evangelisation - Menschen hinzuweisen auf die Möglichkeit und sie einzuladen zu einer persönlichen Beziehung zu Gott und zu seinem Sohn Jesus Christus, die darin mündet, sich den Aussagen der Bibel ganz neu zu stellen und sich ihnen auszusetzen.

b) Gemeinschaftpflege - gemeinsames Leben als Christen, Bibelstudium, füreinander Dasein, aufeinander acht haben, miteinander Leiden und feiern, den Glauben stärken und fördern.

Diesen Zielen schlossen sich die älter werdenden Christen des EC in Alt-Wildungen an indem sie eine "Gemeinschaft" gründeten. Diese Ziele sieht die Gemeinschaftsbewegung bis heute als ihre Ziele an, also auch wir als heutige Evangelische Gemeinschaft und Erben der Gründer von 1900.

Das drückt die Gemeinde heute auch bewußt mit ihrem Namen aus: "Evangelische Gemeinschaft"

Gemeinschaft - beinhaltet erkennbar unsere Geschichte, daß wir zur Gemeinschaftsbewegung gehören und in ihr bleiben wollen - mit diesen Ziele "Evangelisation" und "Gemeinschaftspflege".

Evangelisch - drückt unseren theologischen Standpunkt aus - das wir uns festmachen an den Erkenntnissen der Reformation - allein Jesus Christus, allein die Schrift, allein der Glaube und allein die Gnade.

Wie die Christen damals sind wir bemüht, den Menschen in der Gemeinde und denen die zur Gemeinde neu dazu kommen, eine Heimat zu bieten. Danach zu suchen und zu fragen, was ihnen heute dient, um ihren Glauben an Christus leben zu können.

Wenn wir heute mit interessierten Menschen über den persönlichen Glauben und das gemeinsame Leben ins Gespräch kommen, dann stoßen wir mehr und mehr auf Menschen, die nicht nur nach Teilaspekten des christlichen Lebens suchen, wie z.B. das gemeinsame Bibellesen, oder den Gottesdienst, sondern auf Menschen die nach einer Gemeinde suchen, die ihnen für die ganze Familie eine Heimat bieten kann.

Aus diesem Grund sind wir mehr denn je herausgefordert, ein deutliches Profil für unsere Gemeindearbeit darzustellen. So daß wir darstellen können, wer wir sind, und was wir vertreten.

Wir sind hier in Bad Wildungen herausgefordert, nicht nur ideell Gemeinde zu sein, sondern auch formal Gemeinde zu bilden. Die Rahmenbedingungen zu schaffen, daß Menschen aus jeder Altersgruppe Angebote vorfinden, die zu ihnen passen, die auf sie zugeschnitten sind und die ihren Bedarf decken.

Das umfaßt die Gestaltung des Gemeindeprogramms bis hin zum Angebot der Vollversorgung mit Kasualien. Das umfaßt genauso die Neugestaltung unseres Gemeindehauses Anfang bis Mitter der 90er Jahre, wo dringendst ein Raum für Eltern mit kleinen Kinder geschaffen werden mußte, damit sie am Gottesdienst teilnehmen konnten.

Nicht zuletzt deshalb haben wir in den letzten beiden Jahren nochmals einen Gruppenraum eingerichtet und anderes Renoviert um z.B. den beiden Kindergottesdienst-Gruppen und dem biblischen Unterricht Räume zu schaffen, in denen sie sich widerfinden.